Letzten Samstag war ich ja ja auf unserer Podiumsdiskussion. Hier ein Bericht von Bündnis 90/ die Grünen, Kreisverband Fürth:
Welche Chancen haben Mädchen,
welche haben Jungen in unserer Gesellschaft ?
Dieser Frage gingen bei der Podiumsdiskussion der Grünen am Samstagabend Expertinnen und Experten aus Erziehung, Bildung, Wissenschaft und Politik nach.
Nach Ansicht von Prof. Gunther Moll, Leiter der Abteilung für Psychische Gesundheit am Universitätsklinikum Erlangen und Leiter der psychiatrischen Tagesklinik für Kinder und Jugendliche am Klinikum Fürth, ist nur ein Drittel unserer Kinder im derzeitigen Schulsystem an den Schulen gut aufgehoben. Ein zweites Drittel hängt gelangweilt an Busstationen herum und konsumiert Alkohol. Beim letzten Drittel wachsen Widerstandsgeist und Hass; sie weichen aus in die virtuelle Welt der Medien mit den aggressiven Spielen, die dort angeboten werden. Hier entsteht ein explosives Potential für die Gesellschaft.
Bedrückende Aktualität gewinnt das Ganze im Amoklauf von Ansbach.
Das eigentliche Thema von Prof. Moll war die Pubertät, nach ihm sind die pubertierenden die wahren Helden. Sie sind mutig wie nie mehr im Leben, doch sie treffen auf eine Gesellschaft, in der alles von der Generation der 50 – 55 jährigen vorgegeben ist. ihre Fantasie und Kraft ist nicht gefragt, und ihre Energie gelangt oft in falsche Kanäle. Deshalb möchte Moll, dass Kinder und Jugendliche Schule aktiv mitgestalten. Er fordert statt der vielfachen Aufteilung unseres Schulsystems mit mangelhafter Durchlässigkeit eine offene Schule.Insgesamt warnt er vor zu starker Verschuldung.
Seit längerem ist im Gespräch, dass Jungen in den Schulen schlechter Abschneiden als Mädchen. Markus Braun (SPD) ehemaliger Schulleiter der Rosenschule und derzeitiger Schulreferent führt aus, dass Mädchen auf der Überholspur sind, während Jungen den Rekord halten bei verspäteter Einschulung, beim Sitzenbleiben und als Schulabbrecher. Der Kinder- und Jugendbericht stellt fest, wir haben ein Jungenproblem. Derzeit gibt es zu wenig männliche Lehrerkräfte, die Vorbild sein können.
Gut ausgebaute Ganztagsschulen mit rhythmisiertem Unterricht mit Wechsel von Lernen und Freizeit sind nötig. Das G8 entspricht diesem in keinem Fall, es ist vielmehr eine Aneinanderreihung von harten 45 Minutensequenzen. Zudem wäre eine längere gemeinsame Schulzeit für die Jungen förderlicher, da sie viele Kompetenzen erst später entwickeln. Die Klassenstärken sind erheblich herabzusetzen. Das bedeutet ein mehr an Lehrerinnen und Lehrern.
Auf andere Aspekte lenkten die Sozialpädagoginnen Ilona Laitenberger und Semra Tandogan-Sunar von der Erziehungsberatungsstelle Fürth das Augenmerk. Für den Bereich der Migrantenkinder stellten sie heraus, wie wichtig die muttersprachliche Grundbildung ist. Deshalb wäre auch die Forderung nach muttersprachlichen Vorlesestunden in den Kindergärten von Nöten. Wichtig ist aber auch die Beratung und Elterngespräche z.B. auf türkisch oder russisch für Eltern, die das Deutsche nicht ausreichend beherrschen. Sie wiesen darauf hin, dass ein anderes Verständnis der Schule in den Herkunftsländern vorhanden ist: Mit Beginn der Schule liegt dort die Erziehung der Kinder in der Hand der Schule, hierzulande ist die Unterstützung durch die Eltern mitbestimmend für den Schulerfolg des Kindes.
Für Ekin Deligöz (Die Grünen) Vorsitzende der Kinderkommission des Deutschen Bundestages, im Vorstand von UNICEF ist eine wesentliche Forderung die Aufnahme der Kinderrechte in die Deutsche Verfassung. Denn vielen der Kinder werden ihre Rechte vorenthalten; sie einzuklagen ist ihnen kaum möglich.
Einige Projekte, die in Fürth bisher laufen z.B. „Starke Eltern – starke Kinder“ sind nicht dauerhaft finanziell abgesichert. In die gleiche Richtung geht die Forderung nach Familienhebammen, die Familien schon vor der Geburt des Kindes unterstützen, beides dient der Stärkung der Elternkompetenz.
Kinder haben ein Recht auf Kinderkrippen und Kindergärten in ausreichender Zahl mit kleinen Gruppen und entsprechend ausgebildeten Erzieherinnen und Erziehern. Schulklassen mit nur 15-20 Kindern sowie eine bessere Raumausstattung und viel Freifläche. Diese Forderungen wurden von allen Podiumteilnehmerinnnen und Teilnehmern mitgetragen. Zur Finanzierung ist Geld nötig: Dazu hat Ekin Deligöz einen detaillierten grünen Vorschlag. Der Solifond wird zum Bildungssoli, damit wird auch der Staat auf dem Bildungssektor in die Verantwortung genommen. Statt Geld in Beton zu stecken, ist es besser im Bildungs- und Erziehungssektor investiert.









